Unser Verständnis
Thesen zur Basis unseres Konzeptes
1. Psychotisches
Verhalten und Erleben hat einen persönlichen Sinn und kann verständlich werden
Nach unserer Erfahrung ist es wichtig und sinnvoll, dass wir versuchen, Menschen
mit psychischen Problemen zu verstehen. Dies scheint vordergründig oft
nicht möglich, besonders wenn die Betreffenden selbst sehr verschlossen sind.
Dennoch folgt aus dieser Grundhaltung etwas ganz Wichtiges:
Wir gehen davon aus, dass jeder Bewohner seine ‑ subjektiv "guten" ‑ Gründe hat, gerade so und nicht anders zu empfinden und sich zu verhalten.
Dies gilt auch dann, wenn das Verhalten und Empfinden im Moment weder
angemessen noch verständlich erscheint.
Unsere bisherige Erfahrung hat uns in dieser Haltung bestätigt und das Schema auf der nächsten Seite gibt wieder, dass ‑ auch bei Menschen mit sehr großen
psychischen Problemen ‑ nicht nur eine Disposition im Sinne einer
"persönlichen Sensibilität" eine Rolle spielt, sondern ganz
stark die Vorerfahrungen und wie sie verarbeitet wurden („Themen“).
Dabei spielt es nicht nur eine Rolle, ob diese "objektiv
ungünstig" waren, sondern hauptsächlich, wie sehr der Betroffene
selbst sie als belastend erlebt hat.
Werden so empfundene Erfahrungen nicht bewältigt, kann daraus
ein Gefühl mehr oder minder großer Verunsicherung oder gar Angst entstehen.
Zieht sich der Betreffende mit diesem Gefühl zurück und nimmt sich selbst
und anderen damit die Möglichkeit eines anderen Erlebens, so verengen sich
Wahrnehmung und Erleben immer mehr auf eine Bestätigung dieses Gefühls
und den "Kampf" dagegen. Eine Einschränkung in der
Fähigkeit, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden, d.h. in der Realität zu
orientieren, wird naheliegend.
Die Verhaltensauffälligkeiten, die spätestens jetzt im Kontakt
zu anderen zu erwarten sind, können dann auch verstanden werden als der
hilflose Versuch, diesen Zustand der Verunsicherung oder Angst zu bewältigen
bzw. wenigstens für kurze Zeit loszuwerden, nicht mehr zu spüren...
Zu verstehen, was hinter den Verhaltensauffälligkeiten
steckt, welche "persönliche Bedeutung" darin liegt,
kann natürlich nur Ergebnis eines längeren Prozesses sein. Dazu gehört neben
viel Zeit auch die Bereitschaft, Gefühle (über die sich im Unterschied zu
Wahrnehmungen schlecht streiten lässt) ernst zu nehmen.
Erschwert wird das Verständnis aber oft dadurch, dass dem psychisch kranken
Menschen die eigenen Gefühle nicht nur unangenehm, sondern
(auch deshalb) oft fremd sind.
Die nachfolgende schematische Darstellung soll ‑ vereinfacht
‑ verdeutlichen, dass und wie Gefühle das Verhalten bestimmen, wie sie wiederum
aus den Erfahrungen resultieren und wie sie für uns auch der Schlüssel zu einem
besseren Verständnis vordergründig "sinnloser" Verhaltensweisen sein
können.
Und noch eines ist wichtig: bei den Gefühlen, die Menschen mit psychischen
Problemen bewegen, handelt es sich eben gerade eher um die weniger angenehmen
Gefühle von Angst ‑ bis hin zur Panik
Thesen zum Verständnis:
2. Gefühle
4. "Auseinandersetzung" als Prinzip
5. Sinn und Funktion von Regelungen
5b Stufenplan
7. Zielsetzung
8. Chance!